1. Semester: 3 von 5

Meine ehemalige Deutschlehrerin hat mich einst eindringlich davor gewarnt, irgendeine Sprache zu studieren. Mal davon abgesehen, dass meine Fachhochschulreife mich ohnehin nicht für ein Universitätsstudium qualifiziert und ich nie auf die Idee gekommen wäre, irgendeine Sprache zu studieren, muss ich in letzter Zeit doch häufig an ihre Worte denken. Das Studium versaue einem die Sache an sich, sagte sie. Also, wer Deutsch auf Lehramt studiert, kann irgendwann keine Bücher mehr lesen, ohne beim Lesen das Geschriebene ständig analysieren zu müssen. Auf Fehler, Ungereimtheiten und so weiter.

Nun bin ich knapp ein Semester dabei, Stadtplanung zu studieren und das Studium hat es noch nicht geschafft, mir mein Interesse am System Stadt zu versauen. Doch machen sich so langsam Tendenzen bemerkbar, die sich ganz klar auf diesen Bologna-Quatsch zurückführen lassen.

Aus Erzählungen Älterer weiß ich, dass „Studium“ einmal bedeutet hat, sich intensiv mit einem Thema auseinander zu setzen und dies vollkommen selbstorganisiert. In Zeiten des Diploms, so scheint es, war es noch normal, dass junge Leute so lange studiert haben, bis sie nicht mehr ganz so jung waren. Und heute? 6 Semester Regelstudienzeit. Da bleibt meist keine Zeit, mit den Kommilitonen einen Kaffee trinken zu gehen (gut, ich trinke eh keinen), um sich über das Fach zu unterhalten. Wer kein Hackengass macht, fällt zurück. Und das ist noch milde ausgedrückt. Unter seinen Kommilitonen fühlt man sich schon fast wie ein Sitzenbleiber, wenn man nicht alle Module eines Semesters schafft, aus welchen Gründen auch immer.
Aber hat Studium nicht auch etwas mit genießen zu tun? Wo bleibt einem die Zeit, sich auch mal außerhalb des Lernstoffes umzusehen? Eigenständig Erfahrungen zu sammeln? Seine Begeisterung für das Fach selbst zu leben? Wie in der Schule wird man von Abgabetermin zu Abgabetermin gehetzt und die Presse teilt uns Studenten eine ganz klare Botschaft mit: Wer länger braucht, hat verloren. Dass das Quatsch ist, sagen einem die meisten Firmenchefs, doch der Druck ist trotzdem da. Ganz ohne geht es natürlich auch nicht, doch der Ausspruch „es gibt auch Grenzen!“ kommt nicht von ungefähr. Spätestens dann, wenn junge Menschen auf Grund des Studiums, mit ihren vielleicht 20 bis 25 Jahren, ein Burnout erleiden, sollte doch so langsam mal eingesehen werden, dass zu viel Druck alles andere als förderlich ist.

Als meine ex-Deutschlehrerin sagte, studieren kann einem die Sache an sich madig machen, hat sie gewiss etwas anderes gemeint, als ich. Doch ist es so, dass ich, als Student, schlecht mein Interesse für etwas erweitern kann, wenn ich dazu gar keine Zeit habe. Ich hoffe, es stellt sich nicht heraus, dass ich mich irre, aber ich werde mich diesem Stress nicht beugen. Dann studiere ich lieber ein oder zwei Semester länger. Schließlich stehe ich jetzt schon bei 3 von 5. Bedeutet: 5 Module, aber in nur dreien trete ich zur Prüfung an. Dafür habe ich Zeit, Fachliteratur zu lesen (die, die nicht auf dem Lehrplan steht), mir Gedanken darüber zu machen, ob ich mich um ein Auslandssemester bewerbe und auch ab und zu mal meine Freundin zu besuchen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil ich ja eigentlich noch diese und jene Layout-Vorlage verwursten muss.

Ich kann, wie ich weiter oben schon geschrieben hab, nur hoffen, dass ich mich nicht irre.

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Hausbau-Fail

Nicht direkt Stadtplanung, aber zumindest Hausbau.

Irgendein Architekt hat sich dabei bestimmt was gedacht (nur was, frage ich mich) und dann sowas. Da war wohl jemand ganz schön doll in seine Arbeit vertieft, anders kann ich mir nicht vorstellen, wie man so etwas hinbekommt.

Quelle: http://de.webfail.at/image/hausbau-fail-fail-bild.html

Die Erstis auf der Überholspur?

Jetzt, wo das erste Semester sich dem Ende neigt und die ersten Prüfungen bevorstehen, will ich lieber darauf verzichten, einen Rückblick zu geben oder gar ein Resumé. Aber eine Sache gibt es, die nicht nur aus irgendeinem Grund in unseren Köpfen (also denen der Erstis) steckt, sondern aus einem guten. Irgendwie auch aus einem seltsamen.

Wir sind der zweite Jahrgang der potentiellen Stadtplaner an unserer FH. Fachhochschule bedeutet auch, dass wir, wie in der Schule, einen vorgegebenen Stundenplan haben. Anders, als an Unis, lernt bei uns also jeder Jahrgang ungefähr das Gleiche. Sollte man zumindest meinen. Gespräche mit den aktuellen Drittsemestlern zeigen aber ganz andere Dinge. Ihr merkt jetzt vielleicht, was es mit der Überschrift auf sich hat und worauf ich hinaus will.
Verdutzte Menschen schauten mich an, als ich ihnen mein „Würfel-Modell“ (ein 15*15*15 cm Würfel, den wir durch Reduktion gestalten mussten) zeigte. „Wie, sowas macht ihr?! Das könnte ich nicht!“, lautete die Antwort der Menschen, die zwei Semester über uns stehen. Nachdem ich erklärt habe, was wir in unseren Modulen sonst noch so machen, erntete ich noch mehr solcher Blicke und Antworten. „Also unsere ersten beiden Semester waren Pille-Palle. Wir haben nie sowas anspruchsvolles gemacht. Etc. bla!“

Wenige Wochen zuvor hat mich eine meiner Professorinnen gefragt, ob sie uns Studenten denn überhaupt genug fordern würden. Ich kann zwar verstehen, dass unsere Profs noch etwas experimentieren müssen. Schließlich sind wir ja auch erst, wie ich weiter oben bereits schreib, der zweite Jahrgang. Es gibt zwar ein Konzept, aber die Details müssen freilich noch ausprobiert werden.
Wie aber kann es sein, dass von einem aufs nächste Semester der Stoff einerseits dermaßen angezogen wird, andererseits aber noch die Frage offensteht, ob wir überhaupt genug gefordert werden? Wie blicken unsere Profs denn auf das allererste Stadtplaner-Semester („damals“ hieß es noch Städtebau) zurück, wenn sogar die Studenten sagen, dass es nicht schwer war?

Sind wir alle nur Versuchskaninchen, damit diejenigen, die im nächsten Wintersemester auf unsere FH gehen, eine gut überlegte und ausgeglichene Ausbildung bekommen können? Schwer vorstellbar, aber experimentiert wird auf jeden Fall mit uns, sonst gäbe es diese Unterschiede nicht. Trotzdem mache ich mir keine Sorgen. Lieber gehöre ich zu denen, die härter angepackt werden, weil ich dann weiß, dass wir uns auf einem guten Weg befinden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Berechtigterweise geht bei uns das Gerücht um, wir hätten jetzt schon mehr drauf, als unsere Kommilitonen aus dem dritten Semester. So weit möchte ich mich aber nicht aus dem Fenster lehnen.